São Paulo

Mittwoch, 09.02.2011


Ich verstehe diese Stadt (noch?) nicht und Ich weiß mir kaum zu helfen. Unter den unzähligen Beschreibungen, die ich bisher von Reisenden wie auch von Einheimischen gehört habe, sticht für mich vor Allem eine heraus. Es ist der Eröffnungssatz eines kleinen New York Times Artikels über diese, laut Wikipedia, sechstgrößte Metropolregion der Welt. Vielleicht ist es gerade das Widersprüchliche, was mich daran fesselt, vielleicht die unverhohlene Härte. Vielleicht ist es aber auch nur eine dunkle Vorahnung.

"It may be the ugliest, most dangerous city you'll ever love." 

 

7 Uhr morgens, 26 Grad, die Frisur ist im Eimer

Sonntag, 06.02.2011

 

Gelandet.
Siff. 

The End.

 

Geschieden.

Samstag, 05.02.2011


Es hat keinen Zweck mehr. Ich lasse mich scheiden. Deutschland ist mir viel zu kalt. Zumindest fürs erste.

Noch bis vor kurzem hegte was diesen Schritt angeht große Bedenken. Dann wurde mir jedoch klar, dass ich in Mainz dringend eine neue Winterjacke brauchen würde und da man mich, wie allgemein bekannt, nicht gerade shoppingverrückt nennen kann, stand die Entscheidung für mich damit fest. Lieber würde ich mich für 7 Monate ins 10.000 Kilometer entfernte Brasilien absetzen, als auch nur einen Tag mit Shopping zu vergeuden. (Sorry Ladies ^ ^) Zumal mein Finanzierungsplan einigermaßen stand, die Uni Mainz mir jede erdenkliche Unterstützung zugesagt hatte und mir langsam aber sicher auch die Ideen für neue Caipirinhas ausgegangen waren. Also ab dafür!

Die Vorbereitungen waren relativ schnell erledigt. Allerdings auch relativ chaotisch, weshalb ich mich von vielen Leuten leider nicht so verabschieden konnte, wie ich es gerne getan hätte und Ich hoffe, die genannten finden sich wenigstens in diesen Worten wieder. Nichtsdestotrotz gelang es mir dennoch, mich sowohl von Homburg, der allseits anerkannten Bierhauptstadt Deutschlands, als auch von Mainz, der Spundekäshauptstadt desselben, im Guten verabschieden. Dabei habe ich durch und mit meinem Weggang auch in vielerlei Hinsicht einen neuen Zugang gewonnen und beim Gedanken daran zeigt mein Antlitz ein zufriedenes, genügsames Lächeln. Vielleicht hat Hans Kudszus recht, und der Abschied ist wirklich die innigste Weise menschlichen Zusammenseins.

Wie auch immer, irgendwann war das Semester halbwegs abgeschlossen, mein Appartement in Mainz gestrichen und verlassen, meine Badeshorts NICHT eingepackt (Mist!) und mein letzter Tag auf europäischem Boden gekommen. Simon und Verena hatten sich erboten, mich zum Frankfurter Flughafen zu geleiten und "dir mit weißen Taschentüchern hinterher zu winken". Wer hätte da Nein sagen können?
Nachdem ich mit den beiden dann nochmal sämtliche Reiseformalitäten durchgegangen war („Du weißt aber schon, dass das ganz schön blöd wird, so lange im Flugzeug zu sitzen?“ „Ne klar, deswegen hab ich ja einen Stehplatz gebucht...“) verbrachten wir im Zug nach Frankfurt eine wundervoll verplämperte Zeit. Nichts ist so nötig, wie das Überflüssige.
Am Flughafen angekommen, machten wir uns auf die Suche nach dem TAM Schalter. Einige Fahrstühle und gefühlte 25 Milliarden Meter Rolltreppe später, hatten wir ihn immer noch nicht gefunden. Aber ich verliere mich in Details...

Nachdem das Gepäck aufgegeben und einige Abschieds-Burger verdrückt waren ("Ich bin so satt, ich glaub' ich muss gleich sterben ...  ... Oh, der Schokoladenkuchen sieht aber gut aus!"), suchten wir uns ein ruhiges und angenehmes Plätzchen und Simon zog den eigens mitgeführten Riesling aus der Tasche. Und wohl ohne es zu wissen, tranken wir in Abflughalle C auf die Freundschaft. Die besten Dinge im Leben sind eben doch umsonst. Verena: „Und jetzt schenk ich dir noch ein echtes Lächeln.“ *Grins* Wundervoll.

Weiter im Präsenz. Als die Zeit gekommen ist und ich mich auf den Weg in Richtung Gate mache, lasse ich die beiden mit tränengefurchten Wangen und schmerzgeröteten Augen hinter mir. Als ich schon beinahe um die Ecke verschwunden bin, verlieren beide die Fassung, fallen auf die Knie, schmeißen sich schluchzend in grotesk verkrampften Posen  zu Boden, mobilisieren dann plötzlich alle noch vorhandene Energie, springen auf, rennen auf mich zu, überwältigen dabei die aufgescheuchten Sicherheitsbeamten, springen über eine zwei Meter hohe Absperrung,(dabei krempeln sie die Ärmel hoch,) entwaffnen die verbliebenen Polizisten, schießen sich mit deren Pistolen den Weg zum Rollfeld frei, entführen unterwegs den erstbesten Piloten, kapern einen abflugbereiten A380, veranstalten in einem letzten Aufbäumen ein Casting für sechs "nette, aufgeschlossene und engagierte" Stewardessen und machen sich auf den Weg nach Brasilien. Während all das passiert, stehe ich noch immer mitten in der Sicherheitskontrolle und halte noch immer den selben Keks vor meinen Mund, von dem ich zuvor gerade abbeißen wollte und noch immer ist mein Mund in der selben erwartungsvollen Haltung halb geöffnet und auch meine Augen zeigen, festgefroren, den selben, etwas dümmlichen Ausdruck der Verwunderung. 

OK David, das war wohl ein Ballantine's zu viel. Während ich hier schreibe, sitze ich nämlich im Flugzeug und treffe letzte Vorbereitungen für einen langen und tieeeefen Schlaf ;-)